Dienstag, 8. Dezember 2015

Rezension || Daniel Kehlmann - "Die Vermessung der Welt"

Hauptsächlich habe ich es mir selbst versprochen, denn ich glaube nicht, dass es bereits regelmäßige Leser auf meinem Blog gibt, aber vielleicht freut sich ja trotzdem wer, wenn ich heute eine neue Rezension verfasse.
Da ich genug Bücher zur Auswahl habe, fällt mir die Entscheidung nicht wirklich leicht. Und während ich dies schreibe, weiß ich immer noch nicht, welches Buch hier besprochen werden soll. 

Okay, wie wäre es mit Daniel Kehlmanns Die Vermessung der Welt.
Und für jeden, der gedacht hat, ich würde Pippi Langstrumpf auswählen, tut es mir leid. Aber leider war Kinder- und Jugendbuch noch nie mein Steckenpferd und ich habe diese Geschichte nur gelesen, weil sie Teil meiner lebenslangen Reading-Challenge ist. 

Das Buch durfte nach dem letzten Bücherflohmarkt im Oktober bei mir einziehen und stand weder auf meiner "Wishlist", noch weit oben auf meiner TBR-Liste. Trotzdem halte ich an solchen Flohmärkten immer Ausschau nach allen Büchern, die sich auf der 1001 Bücher Liste befinden. Wow, das war jetzt ziemlich oft das Worte Liste in einem Absatz. 
Also habe ich es spontan mitgenommen, wieder für nur ein paar Euro, aber dafür in einem hervorragenden Zustand: Gebunden. Einwandfreier Einband. Fast wie ungelesen: 

Daniel Kehlmann
Die Vermessung der Welt

Erschienen 2005 im Rowohlt Verlag
ISBN 978-3-498-03528-0

Im Taschenbuch ebenfalls im Rowohlt Verlag erhältlich für 9,99€


Die ersten paar Seiten von Die Vermessung der Welt hatte uns unser Deutschlehrer schon 2011 nach unseren Abitur-Prüfungen vorgelesen. Mit der Absicht uns Bücher vorzustellen, die man seiner Meinung nach gelesen habe sollte. Ich erinnere mich, dass unter Anderem auch Dracula und Schiffbruch mit Tiger dabei waren, also alles Titel, die sowieso Teil meines Vorhabens sind. Außerdem wollte er uns etwas Bestimmtes mit auf den Weg geben: Dass man einem Buch mindestens einhundert Seiten Zeit geben soll, bevor man sich dazu entscheidet, es wegzulegen, falls es einem nicht gefallen sollte. Klang damals schon plausibel für mich.
Ich weiß noch, dass ich Daniel Kehlmanns Roman nicht auf Anhieb mochte. Die beiden kauzigen, in die Jahre gekommenen Protagonisten, waren nicht mein Fall. Die Art von Humor konnte mich nicht zum Lachen bringen. Und vielleicht habe ich nicht ausreichend zugehört.

Jetzt, vier Jahre später, war das Buch eine schnelle und sehr leichte Lektüre. Ohne Tamtam, aber mit einer netten Idee. Daniel Kehlmann bringt zwei gealterte Weltentdecker auf die Bildfläche: Alexander von Humboldt und Carl Friedrich Gauß.

Ja, der Mann vom Zehn-Mark-Schein. 

Die beiden kennen sich und treffen sich alt und eingefahren in ihren eigenen Welten in Berlin. Gleichzeitig werden ihrer beider Lebensgeschichten aufgerollt. 

Wie viel davon fiktiv ist, weiß ich leider nicht. Trotzdem bleibt Die Vermessung der Welt ein amüsanter Roman, dem man gerne glauben möchte. Sympathisch werden Gauß und Humboldt dargestellt, indem sie manchmal sogar ins Lächerliche gezogen werden, weil sie einfach so sehr in anderen Sphären schweben. Was zählt ist die Wissenschaft, nicht das Menschliche. Wahrscheinlich gerade deshalb, verliert man nie seine Sympathie für die beiden, auch wenn man das ein oder andere Mal wirklich den Kopf schütteln muss, über solch kluge Köpfe fern vom Leben. Manchmal wurde ich an Sheldon Cooper erinnert und habe mich gefragt, was wohl zuerst da war... Das Huhn oder das Ei?

Im Großen und Ganzen ein angenehm ruhiges Buch, aber im Detail hat mir leider der Tiefgang gefehlt. Und die Handlung ebenfalls. Was nun das Ziel oder die Spannung hinter der Roman-Idee war, konnte ich leider nicht herausfinden. Aber vielleicht ist das einfach nicht so wichtig, in einem sehr kurzen Bestseller-Buch.

Deshalb nur drei Sterne. 
(Drei Sterne sind den durchschnittlichen Leseerfahrungen gewidmet.)


Ein Zitat (von Seite 27) kann ich noch anbringen: 

"Das Romanschreiben, sagte Humboldt, erscheine ihm als Königsweg, um das  Flüchtigste der Gegenwart für die Zukunft festzuhalten" 

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