"Als ich dieses Zimmer einrichtete, ging ich davon aus, du würdest mit einziehen. Ich strich die Wände hell und wählte die Fenster so groß, dass die Dunkelheit keine Chance hätte einzudringen. Ich machte es mir gemütlich und wartete auf deine Ankunft.
Du sagtest, du würdest dich mit mir in unser Zimmer setzen und keine Angst davor haben, auf welche Art wir uns darin einleben würden.
Ich blieb und wartete. Und als die Nacht hereinbrach, fielen dunkle Schatten auf die hell gestrichenen Wände und selbst die großen Fenster konnten die Dunkelheit nicht aufhalten. Ich wartete und auch meine Haut färbten die Schatten grau.
Als du endlich eintrafst, fandest du mich, zusammengekauert in einer Ecke des Zimmers. Verängstigt. Von aller Hoffnung verlassen, dass du dein Wort halten würdest. Du schautest dich um und sahst nichts außer Schatten und Dunkelheit, meine Dämonen, die unter der Decke schwebten. Ich versuchte, dir das Zimmer in all seiner Helligkeit zu beschreiben. Erzählte von Farben und Wärme. Von all der Liebe, die einziehen würde, sobald du es dir mit mir gemütlich gemacht hättest.
Dein Blick war mitleidig, deine Berührung tröstend, doch als du am nächsten Morgen aufbrachst, wusste ich, dies war nur eine Übernachtungsmöglichkeit auf einer deiner Reisen gewesen. Und ich blieb die Station zwischen Einsamkeit und Freiheit."
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|| Mai, 2015
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