Das, was mich am meisten an meinem Leben stört, ist meine Zeitplanung. Mein Tagesplan. Dass ich so oft Dinge nicht tue, weil ich mich ablenken lasse. Dass ich mich nicht auf die Sachen konzentriere, die mir wirklich von Herzen wichtig sind. Dass oft genau das zu kurz kommt, was mich eigentlich am glücklichsten macht.
Warum ich diesen Post in meinem Blog veröffentliche, der eigentlich für Worte und Gedanken, für Buchrezensionen und Leseerfahrungen bestimmt ist?
Ganz einfach: Das ist es, was bei mir viel zu oft die oberste Priorität verliert, obwohl ich gerne mein Herzblut hineingießen möchte.
Wenn mir mal wieder alles über den Kopf wächst. Der Alltag. Das Studium. Die Familie. Die Freunde. Das Privatleben. Einfach alles. Ja, dann wächst mir auch als allererstes das Lesen über den Kopf. Anstatt mich damit abzulenken, kann ich keinen klaren Gedanken fassen. Lese jede Zeile mehrmals und weiß immer noch nicht, was ihr Inhalt ist. Da kann es schon sein, dass ich über mehrere Tage hinweg keine hundert Seiten in einem Buch schaffe. Und ich kann gar nicht beschreiben, wie sehr mich das ärgert. Wie sehr ich mich dafür kritisieren könnte. Vor allem in Zeiten von Goodreads Reading Challenges, die dir ganz genau sagen, wie viele Bücher du hinter deinem eigentlichen Plan zurückliegst. Dann vergleichst du dich mit deinen Goodreads Freunden und der Stress nimmt seinen weiteren Lauf.
Kennst du das auch? Diesen Teufelskreis?
Man möchte lesen, hat aber nicht die nötige Konzentration. Legt das Buch nach wenigen Seiten weg oder nimmt es erst gar nicht in die Hand. Und ehe man sich versieht, hängt man seit mehr als zwei Wochen an ein und dem selben Buch. Ist bereits völlig aus der Geschichte draußen. Das wiederum ist nicht gerade der beste Ansporn, wieder den Faden aufzunehmen. Gleichzeitig möchte man das Buch aber auch nicht gänzlich aufgeben und ein Neues beginnen. Also liest man eben nichts. Gar nichts. Bis man sich vielleicht entschieden hat. Und so ziehen Tage oder sogar Wochen ins Land. Ohne jegliche (gute) Lektüre. Ohne das befriedigende Gefühl die letzte Seite umzublättern und Sterne vergeben zu können.
Mich setzt das so wahnsinnig unter Druck, weil mir währenddessen auch noch der Stoff für einen neuen Post fehlt. Denn genauso wenig habe ich die Muße, um Worte zu Papier zu bringen. Hierfür brauche ich noch viel mehr einen befreiten Kopf. Denn sonst habe ich immer das Gefühl, die Produkte meiner Schreibversuche, sind wirklich nur Versuche. Hohle Gebilde. Ohne Tiefgang.
Ich weiß, dass ich mir nicht so viel Last aufbürden sollte. Denn manchmal gibt es einfach zuerst andere Bedürfnisse, die befriedigt sein müssen, bevor man sich voll und ganz seinen Hobbys widmen kann, die zwar glücklich machen, aber nicht lebensnotwendig sind. Ganz im Gegensatz zu sozialen Kontakten, gelegentlichen sportlichen Betätigungen, Essensaufnahme, Atmen...
Ja, als bibliophiler Mensch, brauche ich Bücher, wie die Luft zum Atmen, aber das ist doch eine Wahrnehmung, die ein wenig übertrieben ist. Oder?
Mir fehlt die Lösung für mein Problem. Etwas womit ich mich ablenken kann, gibt es immer. Genauso wie eine Ausrede, warum ich ausgerechnet jetzt nicht lesen kann.
Und schon wieder: ungeheurer Druckaufbau.
Ich schaffe das. Ich weiß es.
Handy aus. Laptop aus. Fernseher aus.
Und wenn das alles nichts hilft, schnappe ich mir mein Buch und umgebe ich mich mit noch mehr Büchern. Denn in der Buchhandlung meines Vertrauens, in Anwesenheit Gleichgesinnter und unendlich vieler Objekte meiner Liebe, ist es ganz einfach wieder Kraft zu schöpfen. (Und das ein oder andere Buch für den Stapel ungelesener Bücher...)
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