Vor ein paar Wochen habe ich mich noch beschwert, dass ich gerade gar nicht zum Lesen komme. Bzw. dass ich keinen Kopf zum Lesen habe und deswegen natürlich auch nichts rezensieren kann. Aber jetzt hat sich das Blatt wieder schlagartig gewendet. Deshalbt könnte ich bereits heute dieses und ein weiteres Buch besprechen. Außerdem habe ich ein Drittes angefangen.
Da die Erzählung, die ich jetzt bewerten möchte nur ca. vierzig Seiten umfasst, wird dies wohl ein verhältnismäßig kurzer Post. Aber nichtsdestotrotz möchte ich auch auf kleine (aber feine) Erzählungen eingehen, die ich gelesen habe:
Arthur Schnitzler
Leutnant Gustl
Veröffentlicht 1900 in der Wiener Neuen Freien Presse
Gelesen in einer kostenlosen E-Book Version
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Dies war einer der wenigen Klassiker, von denen ich nicht einmal den Namen kannte, bis mein (wahnsinnig guter) Literaturlehrer am Mediacampus in Frankfurt uns ihn als Beispieltext für eine bestimmte Epoche vorlegte.
Die Geschichte die jetzt kommt ist altbekannt: Ich fand den Text und seinen Schreibstil anstrengend. Habe in etwa die Hälfte gelesen, was für den Unterricht reichte, und habe dann eine ganze Weile nicht mehr an ihn gedacht. Bis ich irgendwann beim Durchgehen meiner 1001 Bücher Liste wieder auf den Namen Gustl stieß. Hätte ich gewusst, dass ein paar sehr schlaue Literaturkritiker die Erzählung zu einer Art Pflichtlektüre auserkoren hatten, hätte ich vermutlich nicht nach zwanzig Seiten aufgegeben. Immerhin ist das ein Umfang den man in etwa einer Stunde lesen kann, ganz egal, ob es aus Zwang oder freiwillig geschieht. Da ich Luft hatte nach Madame Bovary und mir manchmal die Entscheidung für den nächsten zu abarbeitenden Titel meines Stapels ungelesener Bücher (hier klicken) wirklich schwer fällt, wagte ich mich erneut an Leutnant Gustl.
Gute Entscheidung, würde ich behaupten. Letztendlich war es eine einfache, kurzweilige Lektüre, die perfekt in die Lücke gepasst hat. Außerdem konnte ich so Buch 38 abhaken und komme meinem Jahresziel, mindestens die 50 zu erreichen immer näher.
Über den Inhalt von Leutnant Gustl zu philosophieren ist nicht nötig. Bei solch wenigen Seiten, wäre jeder Satz zu viel vorweg genommen. Wichtiger ist es, zu sagen, dass man in Schnitzlers Novelle Gustl eine Nacht lang begleitet - in seinem Kopf. Noch nie habe ich vorher etwas dieser Art gelesen und es ist auch schwer es sich vorzustellen, wenn man es nicht quasi selbst erlebt hat. Man darf hier einen mehrseitigen inneren Monolog lesen, natürlich mit den üblichen Gedankensprüngen.
Für mich war das eine ganz neue Erfahrung, aber auf keinen Fall eine negative. Man braucht einige Seiten, um sich vollends darauf einzulassen, aber dann macht diese Erzählweise Leutnant Gustl zu einer raschen Lektüre, die man ohne Unterbrechung durchzieht.
Leider setze ich mit Schnitzlers Novelle nicht nur die Serie der Bücher, denen ich eine zweite Chance gebe, fort, sondern auch die Serie der Bücher, die mich nur mittelmäßig begeistert haben.
Leutnant Gustl ist für mich eben nur ein Durchschnittsbuch. Ganz nett. Aber auch nicht mehr. Kurzweilig. Unaufgeregt. Einfach. Aber leider reißt das selten wen vom Hocker.
Darauf warte ich schon lange. Mal wieder ein Buch wegzulegen und traurig zu sein, dass der Autor nicht ein paar hundert Seiten mehr gefüllt hat. Ich kann mich gar nicht erinnern, wann ich das zu Letzt hatte, dass ich ein neues Lieblingsbuch gewonnen habe. Vermutlich waren es Jonathan Safran Foer mit Alles ist erleuchtet und Thomas Keneally mit Schindlers Liste.
Deswegen kommt's, wie es kommen muss:
Wäre das hier Goodreads, würde ich drei Sterne vergeben.
(Durchschnitt eben.)
Dieses Mal habe ich keine Zitate markiert.
Deswegen kommt's, wie es kommen muss:
Wäre das hier Goodreads, würde ich drei Sterne vergeben.
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