Um manche Posts zu schreiben, brauche ich Stille. Eine wie-Watte-auf-den-Ohren-Stille. Eine Stille, die plötzlich kommt, weil es davor laut war. Deswegen habe ich gerade die Musik ausgeschalten. Mitten im Lied. Jupiter Jones - Hier oben (...Jupp). Nur so als kleine Information am Rande.
Morgen ist ein unwichtiger wichtiger Tag. Wobei morgen nicht stimmt. Der Tag beginnt bereits in achtunddreißig Minuten. In achtunddreißig Minuten bin ich wieder einen Tag älter, aber eben auch wieder ein ganzes Jahr. Nicht, dass die Zahl, die mein Alter ausdrückt mir in irgendeiner Weise unheimlich wäre. Sie stört mich nicht. Sie sagt nichts über mich aus. Gar nichts.
Trotzdem bereitet mir dieser Tag und vor allem diese Zahl Bauchschmerzen. Zählt sie doch die Jahre, die bereits hinter mir liegen und in denen ich es nicht geschafft habe, das zu finden was mich wirklich glücklich macht. Natürlich suche ich nicht seit vollen vierundzwanzig Jahren danach. Und vielleicht ist mir erst im letzten halben Jahr wirklich klar geworden, wie wichtig es tatsächlich ist, ein Ziel zu haben. Eine Perspektive. Einen Weg. Ja ich weiß, dass nicht das Ende des Weges das Glück verspricht. Aber ich bin es leid zu irren und dabei das Glück links und rechts des Weges aus den Augen zu verlieren. Wahrscheinlich ist genau das mein Problem. Ich bin so fixiert darauf ein Ziel auszumachen, dass ich dabei vergesse, wie wichtig die Reise ist.
Ich war noch nie spontan. Ich brauche einen Plan. Auch für mein Leben.
Ich glaube, dass Geburtstag irgendwann in der Pubertät aufhört ein bedeutender Tag zu sein. Man kann plötzlich wieder gut schlafen, auch wenn der Ehrentag nur noch eine Nacht entfernt ist. Geschenke zu bekommen ist nur noch die geringere Freude im Vergleich zum Beschenken anderer. Und ob es einen Geburtstagskuchen gibt, ist schon lange zweitrangig. Es sind eh zu viele Kerzen für einen Kuchen und Mami formt nur noch die Jahreszahl aus wenigen Teelichtern, weil mehr als zwanzig davon nicht auf den traditionellen Deko-Teller passen.
Warum dann dieser Post zu einem Tag, der nichts Besonderes mehr für eine junge Frau wie mich ist?
Als mich meine Gedanken heute mal wieder im Kreis trugen, hin zu diesem Thema Geburtstag, musste ich diesen Tag unwillkürlich mit einem Ähnlichen im Jahr vergleichen: Silvester. Jedes Jahr beginnen wir einen neuen Zeitabschnitt an diesem Tag. Während wir um Punkt null Uhr mit Sekt anstoßen, denken wir schon an unsere Vorsätze für das neue Jahr. Tu dies. Lass das. Du musst. Ich will. Niemand kontrolliert, ob wir wirklich die Versprechen an uns selbst halten. Vielleicht fühlen wir uns ein Jahr später genau an der selben Stelle ein wenig schlecht, weil wir immer noch drei Kilogramm zu viel auf den Hüften haben oder immer noch zu viel Geld für unnötige Dinge ausgeben, aber das hält uns nicht davon ab, erneut Vorsätze zu machen, die nächstes Jahr wiederum wie Feuerwerkskörper in den Himmel steigen und zu Rauch verpuffen.
Womöglich ist die Kapazität an Vorsätzen an Silvester einfach völlig überlastet. Wer soll denn da bitte noch zuhören? Wer soll sie einhalten? Wer soll mehr als drei Vorsätze in die Tat umsetzen?
Meine Liste für dieses Jahr war lang. Elendslang. Mindestens zwanzig Punkte umfassend. Ich habe sie aufgeschrieben. Um dieses Jahr mal wirklich zu kontrollieren. Bisher schlechte Bilanz. Tendenz geht ins bodenlose.
Die letzten Tage habe ich viel nachgedacht. Obwohl ich keinen Abend an meinem geliebten Schreibtisch verbracht habe, habe ich die wenige Zeit für mich genutzt. Mit Kopfhörer in den Ohren. Lieblingsmusik an. Und gestern auch durch das Wasser des Rheins watend. Meditativ Steine ins Wasser werfend. Die Welt ausgeschalten.
Ich weiß, dass sich seit langem etwas in meinem Leben ändern muss. Etwas Weltbewegendes. So wie es gerade läuft, kann es nicht weiter gehen. Ja, es ist schon bedeutend besser, als noch vor ein paar Monaten. Aber der große Schritt fehlt immer noch.
Ich habe die letzten Tage eine Entscheidung getroffen. Näheres kann ich nicht erzählen. Es ist nicht spruchreif. Aber ich glaube, dass es mir helfen wird. Auf meinem Weg. Richtung Ziel.
Also? Warum nicht Vorsätze an seinem Geburtstag machen? Wenn das eigene neue Jahr beginnt. Ist es da nicht viel mehr etwas Besonderes? Für sich selbst. Für das neue Lebensjahr. Für einen positiven Neustart.
Ich möchte morgen (in wenigen Minuten) ein besserer Mensch sein, als der, der ich heute (gerade eben) war. Und besser bedeutet für mich glücklicher. Zufriedener. Bescheidener. In sich ruhender.
Nicht abnehmen. Nicht sparen. Nicht mehr lesen.
Sondern das tun, was nötig ist, um ein gutes Leben zu führen. Das zu tun, wonach man sich fühlt. Kein Zwang.
Vielleicht führt dann Eins zum Anderen und alles fügt sich zusammen. Zukunft. Liebe. Studium. Gesundheit. Freunde.
Lächeln. Positiv denken. Optimistisch sein.
Es fühlt sich gut an, diese Gedanken aus meinem Kopf zu haben. Aufgeschrieben. Lesbar.
Ich werde dies nächstes Jahr erneut lesen und hoffentlich denken:
Gut gemacht, Vanessa. Ich bin stolz auf dich!
0.00 Uhr. Happy Birthday to me.
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