Gibt es besondere Buchempfehlungen für den gesetzten Fall, dass man zu viele Bücher über die Shoah gelesen hat? Am Stück versteht sich. Leider konnte ich in meiner Romantherapie nichts dazu finden. Deshalb therapiere ich mich sozusagen selbst, indem ich meine ziemlich einseitige Buchauswahl kommentiere.
Seit ich denken kann und mich selbst sowohl mit Büchern, als auch mit Fernsehen bilde, beschäftigt mich ein Thema. Nichts fasziniert und erschüttert mich gleichzeitig so sehr wie die Shoah bzw. der Holocaust.
Als Kind waren es Sachbücher und auch der ein oder andere Roman. Heute stille ich meinen Wissensdurst bezüglich dieses Themas mit jeglichem Medium: Roman, Sachbuch, Spielfilm, Fernsehdokumentation.
Das Dritte Reich und seine Verbrechen üben auf mich eine Anziehungskraft aus, die ich nur schwer in Worte fassen kann. Während ich von vielen Altersgenossen höre, dass ihnen bereits der Geschichtsunterricht zu diesem Thema zu langwierig war, kann ich mich einfach nicht davon losreißen. Ich glaube kaum eine geschichtliche Epoche wird in ZDF History oder ähnlichen Fernsehproduktionen so häufig thematisiert wie die Jahre zwischen 1933 und 1945. Ich verstehe die Menschen, die sagen, dass sie der Überfluss an Information nervt und sie deshalb einen weiten Bogen um derlei Medien machen. Und vielleicht gehöre ich zu den wenigen Menschen, die nicht darauf plädieren, dass es endlich Zeit wird, aufzuhören damit, diesen Teil der Geschichte den Deutschen immer wieder nachzutragen. Uns, die wir bereits einige Generationen von den Opfern entfernt sind.
Vielleicht aus diesem, vielleicht aus einem anderen Grund lese ich so gezielt um diese Thematik herum. Es gibt kaum einen Roman oder einen Film, den ich nicht zumindest beim Namen kenne, der diese Zeit behandelt. Das meiste habe ich bereits gelesen oder gesehen.
Aber, und das ist der Nachteil einer solch speziellen Buchauswahl, komme ich immer wieder an den Punkt, an dem mir all diese Bücher über den Kopf wachsen. Ich all das Leid nicht mehr ertrage. Die Bilder in meine Träume übergehen. Und ich viel zu viele Tränen für die Vergangenheit vergieße.
Wieder einmal bin ich an eben jenem Punkt und suche nach Ausweich-Lektüre... Gerade habe ich die Autobiografie Marcel Reich-Ranickis beendet, stehe mit zitternden Knien vor meinem Regal und habe beinahe ein wenig Angst, erneut ein Buch über die Shoah in die Hand zu nehmen. Manchmal mache ich das, einfach so, ohne groß darüber nachzudenken.
Und auch jetzt ist die "Gefahr" ziemlich groß, denn es stehen genug thematisch ähnliche Bücher bereit. Angefangen bei Bruno Apitzs Nackt unter Wölfen (von dem ich bereits die Neuverfilmung kenne) und endend bei Tadeusz Borowskis Bei uns in Auschwitz, das ich doch tatsächlich heute als E-Book ausgeliehen habe...
Gibt es denn besonders aufheiternde Bücher, die irgendjemand empfiehlt, wenn man zu vieles gelesen hat, das todtraurig ist? Um sich selbst von all den Schrecken abzulenken, die in der Vergangenheit der Menschheit angetan wurden.
Das Problem ist, dass ich keine "Trivial-Literatur" mag... Das beste Beispiel dafür, der eben erst gelesenen Herr Lehmann von Sven Regener, der mich mehr genervt hat, als amüsiert. Also fallen so Autoren wie Tommy Jaud bezüglich des Humors oder Nicholas Sparks bezüglich der Liebe aus meinem Raster. Ich bin verzweifelt. Leider. Und deswegen steigt meine Befürchtung, dass Bei uns in Auschwitz meine nächste Lektüre sein wird, weil ich es nur einundzwanzig Tage behalten darf.
Trotzdem möchte ich gerne noch einige Titel empfehlen, die ich wirklich liebe. Auch wenn sie tief bedrückend sind und sicherlich einige Tränen provozieren, zähle ich sie zu meinen Lieblingsbüchern:
- Thomas Keneally - "Schindlers Liste" (Hier kann ich auch den Film jedem ans Herz legen)
- Jonathan Safran Foer - "Alles ist erleuchtet" (Der Film hat mir weniger gefallen.)
- Jurek Becker - "Jakob der Lügner"
Und einer meiner absoluten Lieblingsfilme, der so hervorragend ist, dass ich gleichzeitig sagen möchte: Lass es, schau ihn nicht an. Aus dem einfachen Grund, weil er einfach schrecklich anzusehen ist... ist Der Pianist mit Adrien Brody in der Hauptrolle. Dessen schauspielerische Leistung ist kaum zu beschreiben. Die Bilder lassen mich bis heute nicht los.
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