Dienstag, 1. März 2016

Tausendundeins Bücher

Lange genug habe ich davon geredet, jetzt mache ich es wahr:
Ich schreibe den längst überfälligen Post über das wertvollste Buch das ich besitze. Nicht im materiellen Sinne. Ganz allein im ideellen.

2009 habe ich es entdeckt. Ironischerweise in einer Fernsehzeitschrift. Irgendwie ist das traurig. Aber andererseits bin ich froh, dass ich überhaupt darüber gestolpert bin. Dann habe ich es mir zum Geburtstag gewünscht und von meiner Patentante bekommen. Seitdem nehme ich es ständig in die Hand und blättere darin. Lasse mich inspirieren und versuche abzuarbeiten. Letztes Jahr im November habe ich es dann noch einmal gebraucht erworben, weil ich sicher sein will, es immer zu besitzen. Auch wenn mein Herz natürlich mehr an meinem ganz eigenen Exemplar hängt:




Ich habe die erste Auflage von 2009 und habe mich nie darum bemüht, an die anderen aktualisierten Ausgaben zu gelangen. Immerhin bedeutet das, dass man Bücher herausnimmt, um sie durch Neuerscheinungen zu ersetzen. Ich verstehe, dass es keinen Sinn macht, einfach nur Bücher hinzuzufügen, denn dann würde das Buch irgendwann 1202 Bücher, die Sie lesen sollten bevor das Leben vorbei ist heißen. Und das wiederum würde irgendwie keinen Sinn machen. Finde ich. Aber gleichzeitig finde ich es wirklich doof, Bücher die es ja mal wert waren, zu diesen 1001 Büchern zu gehören, plötzlich herauszunehmen. Wer entscheidet das, welches Buch es dann noch wert ist und welches nicht. Dann müsste es ja fast ein Ranking geben... Ja über solche Dinge zerbreche ich mir manchmal den Kopf. Aber meistens lasse ich diese Gedankenspiele einfach und das ist vermutlich der Grund warum ich bei der Ur-Auflage von 2009 bleibe.
Trotzdem sind viele Bücher, von denen man denkt, sie sollten dazugehören, nicht aufgeführt. Und wieder andere sind drin, bei denen man sich fragt warum. Aber das liegt vermutlich daran, dass es sich einfach nur um wichtige Werke der Weltliteratur handelt, das heißt in keinster Weise, dass diese auch Qualität haben müssen. Außerdem sei angemerkt, dass man Namen wie Shakespeare oder Schiller vergeblich sucht, denn Dramen sind genauso wenig berücksichtigt, wie Gedichtbände. Es handelt sich um eine Liste in der ausschließlich Romane ihren Platz gefunden haben. Diese werden jeweils auf einer bzw. einer halben Seite vorgestellt und mit vielen Bildern illustriert.

Bei Goodreads gibt es eine eigene Gruppe für all diejenigen, die wie ich diese Liste abarbeiten. Wenn ich jetzt hineinschaue, hat sie über 14.000 Mitglieder. Daraus lässt sich schließen, dass das Buch nicht nur mich fasziniert hat, aber auch, dass es in vielen Sprachen erhältlich ist. Nicht nur in Deutsch und in Englisch. 
Ich bringe mich nicht aktiv in diese Gruppe ein, weil alle Threads in Englisch sind und ich mich da leider nie so über Bücher äußern könnte, wie ich es gerne möchte. Trotzdem lese ich sehr gerne die Kommentare anderer. Und nehme mir immer wieder vor, die monatliche Buchauswahl mitzulesen, wenn das Buch sowieso schon in meinem Regal steht. Aber meistens vergesse ich das wieder und was hätte das auch für einen Sinn, wenn ich mich hinterher nicht an der Diskussion beteilige.

Der Stand der Dinge...
Mit Ende des Jahres 2015, hatte ich mein Ziel erreicht, das 50. Buch der Auswahl zu lesen. Ich habe es sogar noch geschafft das 51. zu lesen. Leider habe ich seit Jahresbeginn kein weiteres beendet. Angefangen habe ich aber drei, die auch alle noch auf meinem Nachttisch liegen: 

John Irving - "Owen Meany"
Tadeusz Borowski - "Bei uns in Auschwitz" 
Heinrich Böll - "Gruppenbild mit Dame"

Dieses Jahr 2016 möchte ich wieder mindestens zwanzig Bücher der Liste lesen. Das wird schwierig, weil ich schon wieder viel zu wenig lesen. Aber machbar ist es auf jeden Fall. 
Wenn ich mir mal grob ausrechne, dass ich jetzt vielleicht noch fünfzig Jahre lebe, müsste ich jedes Jahr neunzehn Bücher lesen, um bis mein Leben vorbei ist, alle gelesen zu haben. Vorausgesetzt ich möchte wirklich alle beenden. Wenn ich ehrlich bin, habe ich mir bereits einen Puffer von vielleicht einhundert Büchern gesetzt, denn bestimmt sind genug Bücher dabei, die mir nicht gefallen oder die ich nicht beenden kann. Mal ganz zu schweigen von denen, die einfach nicht ins Deutsche übersetzt sind. 

Das liegt daran, dass eine ganze Auswahl an Kritikern diese Liste zusammengestellt haben. Und da diese aus den unterschiedlichsten Ländern kommen, sind manche nur in deren Muttersprache erhältlich. Zumindest war dies so bei der Erscheinung der ersten Auflage. Kann gut sein, dass heute, sieben Jahre später, bereits einige mehr übersetzt sind. Ein Beispiel dafür ist David Foster Wallaces Roman Unendlicher Spaß, dieser ist in meiner Auflage von 2009 noch unter seinem Originaltitel Infinite Jest aufgeführt. 
Wobei ich sagen muss, wenn ich erneut ehrlich bin, dass ich großen Respekt vor diesem "Schinken" habe und leider befürchte, dass er zu den einhundert Puffer-Büchern zählen wird. Immerhin hat einer meiner Freunde ein Jahr für die Lektüre gebraucht, ohne nebenher ein anderes Buch in die Hand zu nehmen. Mal von irgendwelchen medizinischen Fachbüchern abgesehen. Manchmal macht mir das Angst...

Deswegen habe ich hin und wieder ein sehr ambivalentes Verhältnis zu diesem Buch. Auf der einen Seite bin ich froh, dass mich erfahrene Leser an die Hand nehmen und mir Bücher zeigen, die ich vielleicht gelesen haben sollte, aber viel zu oft übt diese Liste Druck auf mich aus. Dann möchte ich das Buch am liebsten verbrennen und alles vergessen, was ich jemals darin gesehen habe. Klar, waren genug Bücher dabei, die ich bis heute liebe und nicht missen möchte, aber leider habe ich auch schon genug Titel gelesen, mit denen ich nur meine Zeit verschwendet habe. Vielleicht sollte ich hier mal ein Ranking veröffentlichen der Top 10 Bücher, von denen ich dringend abrate. Und warum...
Viele der Bücher lese ich nur, um belesen zu wirken und manchmal stimmt mich das traurig. Ich sollte doch eher für mich selbst lesen, als andere damit beeindrucken zu wollen, mit dem was ich lese. Vor allem, weil viele Menschen in meinem Umfeld nur sehr selten Romane in die Hand nehmen und die mich anstarren wie Autos, wenn ich mal wieder einen meiner literarischen Schwafel-Anfälle habe. Das tut mir tatsächlich leid. Diese Posts hier sind der Ersatz für verbale geistige Ergüsse.

Aber um wieder auf die 1001 Bücher zurückzukommen...
51 habe ich gelesen.
Unzählige habe ich bereits gekauft und nicht gelesen. Womit ich ganz häufig meine Bücher-Kaufsucht erkläre: Ich will die Bücher ja eh noch irgendwann lesen, die sind Teil der 1001 Bücher-Liste. 
Letztes Jahr habe ich die gesamte Liste abgetippt, um wirklich alles festzuhalten und nichts zu vergessen. (Wer Interesse daran hat, kann sich gerne melden...)

Das waren kurze Fakten am Rande. Ich bin ziemlich pessimistisch, was das erreichen der 1001 angeht. Immerhin bin ich eine doch ziemlich langsame und ablenkbare Leserin. Und vielleicht ist diese Liste das ambitionierteste Vorhaben, das man in der literarischen Welt haben kann. Denn 25 Bücher auf Deutsch, die jeder gelesen haben sollte zum Beispiel sind machbar für so ziemlich jeden Buchliebhaber.
Aber träumen wird man ja wohl noch dürfen... Und sich ein weiteres Ziel stecken: Möglichst viele der gelesenen Romane rezensieren und hier veröffentlichen. 

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