Donnerstag, 17. März 2016

Rezension || Laura Esquivel - "Bittersüße Schokolade"

An diesem dünnen Buch wäre ich beinahe vorbei gelaufen.

Ich habe es mehrfach in dem Flohmarkt-Regal einer Bücherei gesehen, bis mir erst hinterher aufgefallen ist, dass es eines der 1001 Bücher ist, die ich gerne lesen möchte. Da war ich ziemlich froh, als ich extra noch einmal in die Bücherei gegangen bin und es noch keinen anderen Käufer gefunden hatte. Und so konnte ich es für (wieder einmal) wenige Euro mit nach Hause nehmen: 

Laura Esquivel
Bittersüße Schokolade (Como agua para chocolate)

Ein Suhrkamp Taschenbuch aus dem Insel Verlag (1995)
ISBN 3-518-39034-1

Erhältlich immer noch im Insel Verlag für 7,99€
ISBN 978-3-458-35730-8




Dieses Buch ist Roman und Kochbuch in einem. Die Kapitel werden von ausgefallenen Rezepten umrahmt, die die Protagonistin im jeweiligen Kapitel kocht und serviert. 

Die Protagonistin ist eine derjenigen, die mit einem Schicksal geboren wird, um das sie kein anderes Mädchen beneidet: Tita ist als jüngste von drei Töchtern dazu verpflichtet, ihre Mutter bis zu deren Tod zu pflegen. Unter Verzicht auf Ehe und Kinder. 
Schnell bemerkt Tita, dass diese Tradition "hinkt", denn wer pflegt zum Beispiel sie, wenn sie alt und schwach ist? Nichtsdestotrotz ist ihr Schicksal durch ihre Geburt besiegelt und ihre despotische Mutter, lässt sich nicht erweichen. 
So muss das junge Mädchen mit ansehen, wie die Liebe ihres Lebens, ihre Schwester Rosaura ehelicht und damit für sie unerreichbar wird. Doch dieses Buch wäre kein Liebesroman, wenn es nicht die ein oder andere Wendung parat hätte und Titas und Pedros Liebe nicht stärker wäre als jede Tradition. 

Abgesehen von meiner (wie immer grausamen) Zusammenfassung, beinhaltet das Buch die Geschichte von vielen unterschiedlichen Frauen. Alle verbunden durch die Familie, aber noch viel mehr durch die Speisen, die Küche, die Rezepte... Der Zauber der von Titas Gerichten ausgeht, ist manchmal schwer zu fassen. Übernatürlich. Übertrieben. 
Trotzdem (oder gerade deswegen) hat Bittersüße Schokolade den Charme einer leichten Lektüre. Was bedeutet, dass es schnell gelesen ist, wenn man sich erst einmal darauf eingelassen hat. 

Ich habe das Buch gemocht. Nicht mehr und nicht weniger. Auch wenn Esquivels Erzählung sehr denen Isabel Allendes ähnelt, konnte Bittersüße Schokolade mich nicht vollends überzeugen. Vielleicht gerade weil ich Das Geisterhaus und Von Liebe und Schatten sehr geliebt habe... 

Daher...

Wäre dies hier Goodreads, würde ich drei Sterne geben.
(Durchschnitsbuch, mit kleiner Empfehlung, ohne Abraten. Aber ganz sicher eine Alternative zu meiner sonstigen Shoah-Lektüre)


Ein markiertes Zitat (von Seite 273):

"In diesem Augenblick entsann sie sich der Worte, die John eines Tages zu ihr gesprochen hatte: 
"Wenn aus einer übermächtigen Gemütsbewegung heraus alle Streichhölzer, die wir in unserem Inneren bergen, auf einmal in Flammen stehen, verbreiten sie einen so hellen Glanz, daß er weit über das hinausleuchtet, was wir normalerweise zu sehen vermögen, und dann tut sich vor unseren Augen ein strahlender Tunnel auf, der uns den Weg weist, den wir im Augenblick unserer Geburt vergaßen, und uns dazu aufruft, unseren verlorenen göttlichen Ursprung wiederzufinden. Die Seele drängt es danach, erneut mit dem Ort unserer Herkunft zu verschmelzen und den Körper leblos zurückzulassen"..."

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