Montag, 7. März 2016

Rezension || Sylvia Plath - "Die Glasglocke"

Wie man sich vom Thema Shoah mit dem Thema Depression ablenkt? Eine Antwort auf diese Frage werde ich in dieser Rezension bestimmt nicht bieten können. Aber eine kleine Leseempfehlung... Zu folgendem Buch:

Sylvia Plath
"Die Glasglocke" (The Bell Jar)

Gelesen als E-Book Download meiner Bibliothek

Erhältlich für 8,99 € als Taschenbuch erschienen im Suhrkamp Verlag
ISBN 978-3-518-45676-7




Auch dieses Buch ist unterm dem Stichwort Depression in meiner Romantherapie zu finden. Und während andere versuchen erfolgreich Trilogien zu beenden, die wegen des Inhalts zusammen gehören, beschränke ich mich auf fiktive Trilogien, die ich mir aus Vorschlägen anderer (besserer) Leser zusammensuche. 

Mit Die Glasglocke habe ich nun das dritte Buch der "Depressions-Trilogie" der Romantherapie beendet. Teil eins Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins gehört seit Jahren zu meinen Büchern für's Leben. Und Teil zwei Mr. Chartwell ist erst im Januar als Rezension (lesen - hier klicken) auf diesem Blog online gegangen. 
Keines dieser drei Bücher hat mich enttäuscht. Alle drei haben mich auf ihre Art und Weise begeistert. Aber nur Kunderas Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins hat es unter die Top 10 meiner absoluten Lieblingsbüchern geschafft. Da es schon fast vier Jahre her ist, dass ich mir dieses Buch zu Gemüte geführt habe, wird es bald Zeit für einen ReRead. 

Aber nun zurück zu Die Glasglocke...

Dieser kurze Roman ist - trotz der sehr beklemmenden Thematik - ein Buch für zwischendurch. Aus dem einfachen Grund, dass es nur knapp um die zweihundert Seiten hat und somit nur zwei meiner Abende gefüllt hat. Dazu muss ich (mal wieder) anmerken, dass ich eine sehr langsame Leserin bin und noch dazu wenig motiviert. Ich denke jeder schnelle Leser, wird mit diesem Buch an einem Tag durchkommen. 
Zwischendurch ist nicht gleichzusetzen mit einer leichten Lektüre. Romane, die das Thema Depression behandeln, sind selten leichter Stoff. Selbst wenn der Schreibstil noch so einfach ist, die Worte müssen dann erst recht in einen eindringen und aufgehen. Was sie viel zu oft mit einer derartigen Heftigkeit tun, dass man dem Sog der Krankheit erliegt, ohne selbst diese psychische Störung aufzuweisen. 
Jeder der Probleme hat, dieses Krankheitsbild zu verstehen, sollte nicht zu Ratgebern oder Wikipedia-Artikeln greifen, sondern in Romane wie Die Glasglocke eintauchen. Denn wer könnte besser in Worte fassen, wie die Gefühlswelt eines Erkrankten aussieht, als ein Erkrankter selbst?

Sylvia Plath zählte zu den Menschen, die unter Depressionen leiden/litten. Sie beendete ihr Leben, wenige Wochen nachdem ihr einziger Roman erschien. 

Vielleicht lese ich auch einfach nur gerade die Trilogie der traurigsten Schriftsteller-Selbstmorde. Aber auch diese hätte ich mit Sylvia Plath beendet... Denn zu dieser Reihe würde ich folgende drei Autoren zählen: Sylvia Plath, Tadeusz Borowski und Virginia Woolf. Meiner Meinung nach hochinteressante Biografien. Und so unterschiedliche Gründe für den jeweiligen Suizid. Aber noch wahrscheinlicher ist dies gar keine Trilogie, sondern eine unendlich fortzusetzende Serie, die bei Ernest Hemingway anfängt und mit David Foster Wallace endet.

Ich schweife wie immer ab... Aber ich habe einfach so viele interessante Ansätze, die die Literatur betreffen, dass ich jeden Post mit mehr als einem Thema füllen könnte. Und dann kommt wie immer das zu rezensierende Buch zu kurz... 

Die Glasglocke begleitet die Protagonistin Eva Greenwood durch einen Sommer der unterschiedlichsten Gefühlslagen. Himmelhochjauchzend. Zu Tode betrübt. Die übliche Depressionsbeschreibung. Klischeebehaftet. 
Aber genau das trifft auf Sylvia Plaths Roman nicht zu. So reizend und nah schildert sie Evas Zusammenbruch. So fragil und detailverliebt. Metaphorisch. Einleuchtend. Traurig. 
Wer nach diesem Buch den Charakter einer Depression nicht versteht... (Dem helfen vielleicht die beiden anderen Bücher der Depressions-Trilogie) Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand unwissend aus diesem Buch auftaucht. 
Ich fühle mit der neunzehnjährigen Eva und ihren Problemen, die auch heute noch (über 60 Jahre später) viele junge Mädchen beschäftigen, mich eingeschlossen... 

Das Gleichnis, ihr Leben als einen Feigenbaum darzustellen... Selten habe ich mich einer Protagonistin so nah gefühlt. Wie sehr sie mir aus der Seele spricht. 
Wie sollte man sich jemals richtig entscheiden, bei all den Auswahlmöglichkeiten, die ein Leben zu bieten hat? Welche Last es sein kann, zu viele offene Wege vor sich zu haben. 
Leider bietet Die Glasglocke keinen Lösungsansatz. Trotzdem ist der Tod nicht der letzte Notausgang. Vor allem das habe ich aus diesem Buch mitgenommen. Und die Traurigkeit, dass Sylvia Plath keinen weiteren Roman veröffentlicht hat...

Wäre das hier Goodreads, würde ich vier Sterne vergeben. 
(Vier sind Favoriten, aber nicht die wichtigen Bücher des Lebens.) 



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